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Wie Bio ist Österreich

Jürgen Schieh / 20. Oktober 2020

Eines der umstrittensten Themen in der Landwirtschaft, in Produktionen und in Veredelungsbetrieben ist die Herstellung von Produkten in Bio-Qualität. Wie wichtig ist Bio für uns und brauchen wir mehr davon? Ist Bio automatisch ein Qualitätszeichen? Ich stelle mir hier immer tausende Fragen und mich beschäftigt und begleitet die Produktion von Bio-Produkten in den letzten Jahren immer mehr.

Anfang der 2000er, mitten in meiner Lehrzeit zum Landmaschinenmechaniker, trat die Bezeichnung „Bio“ das erste Mal bewusst in mein Leben. Wollte man sich zu dieser Zeit die Krone des Dorfnarren aufsetzen, so stellte man seinen Betrieb auf biologische Herstellung um. Doch wie viel ist davon noch geblieben, und wie weit hat sich in Österreich die Herstellung biologischer Produkte durchgesetzt?

Wie viel Bio gibt es in Österreich?

Zum heutigen Zeitpunkt zählen 1/5 aller Landwirte zu den Bio-Bauern und bewirtschaften rund 24 Prozent der Fläche in Österreich biologisch. Die größten Unterschiede findet man in der Tierhaltung: Die Hälfte der Ziegen werden biologisch gehalten, aber nur 2 Prozent der Schweine kommen aus einem biologisch geführten Stall. Bei den Rindern legt man da schon mehr Wert auf die Auszeichnung Bio.

Massenware Schweinefleisch

Warum die Zahl bei Schweinefleisch so niedrig ist, kann man sich sehr rasch denken: Das Schwein ist ein Massenprodukt. Obwohl die Zahlen in den letzten Jahren deutlich sanken, gab es 2017 in Österreich 2,8 Millionen Schweine, darunter 56.000 Bio-Schweine. Auch, wenn diese Zahl hoch zu sein scheint, sind es nicht einmal 1,5 Prozent des Bedarfs an Schweinefleisch, welcher als Bio verkauft wird.

Quantität vor Qualität?

Zwar ist die Anzahl der Schweine von Anfang der 1990er von 3,6 Millionen um 800.000 gesunken, jedoch ist eine traurige Tendenz zur Massentierhaltung immer stärker zu erkennen. So hatten 1991 rund 64.000 Schweine-Bauern im Durchschnitt 27 Schweine, heute sind es 26.000 Schweine-Bauern mit über 100 Tieren.

Da blutet mein regionales Herz

In Österreich werden jährlich 470.601 Tonnen Schwein erzeugt. Davon werden 463.617 Tonnen verbraucht. Leider verbraucht der Österreicher aber nur die Hälfte an Schweinen aus Österreich, denn 228.234 Tonnen werden als Fleisch und rund 1.349 Tonnen als lebende Tiere exportiert. Damit ergibt sich ein großes Loch und dieses wird mit lebenden Schweinen und Fleisch aus dem Ausland ausgeglichen.

Das Schwein als Negativbeispiel

Wir müssen uns mit dem Umgang und der Herkunft unserer Lebensmittel wieder wesentlich mehr auseinandersetzen. Das Produkt Schwein ist eines der besten Beispiele: Es gibt hier zwar schon den einen oder anderen Bio-Pionier, aber wichtiger wäre, dass wir als Konsumenten uns auf Qualität und Herkunft besinnen. Hinter dem Produkt Fleisch steckt ein Lebewesen, welches durch Kraft und Schweiß auf unsere Teller gelangt. Wir sind es dem Tier schuldig, dass es in einer guten Umgebung zu dem wird, was wir verzehren und schlussendlich kann man doch sagen: „Du bist, was du isst.“

Fotocredit: https://www.hofgreisslerei.at/